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Kurt Pirklbauer (Kurt A. Pirk)
Ausstellungsdauer: 11. - 31. Jänner 2010

Kurt Pirklbauer

"artefakte - digitale fragmente" – Kurt A. Pirk



EINLADUNG

zur Vernissage der Ausstellung am 11. Jänner 2010, ab 19:00 Uhr

die Ausstellung läuft von 11. - 31. Jänner 2010
Öffnungszeiten nach Vereinbarung - bitte Frau Eva Bischof kontaktieren +43 (0)699 11027235




" artefakte - digitale fragmente " – Kurt A. Pirk




"artefakte - digitale fragmente"


Im digitalen Universum scheint der Idealzustand einer alten Idee aus der Antike wiederaufzuleben - der Kosmos - die perfekte Kugel - die Wirklichkeit gewordenen geometrischen Urbilder Platons.

Doch mitunter schleichen sich in die perfekte digitale Oberfläche sogenannte "Fehler" ein – die eine eigentümliche Ästhetik unserer digitalen Umwelt besitzen und dabei einen ästhetischen Mehrwert erzeugen.

Aber was könnte ein Fehler im digitalen Umfeld sein - im Speziellen was ist ein "medialer Fehler" ? Mit "Fehler" sind medial bedingte Zustände gemeint, die unter gewissen Bedingungen als Abweichung von Idealzuständen verstanden werden. Sie werden zwar eventuell durch menschliche Interaktion ausgelöst, passieren aber erst im Medium (Computer, Software, Speichermedium…) und im Besonderen durch dessen jeweilige physische Beschaffenheit selbst. Solche Fehler können z.B Rauschen, Rundungsfehler, Interpolationsfehler, Pixelfehler, Kompressionsfehler, software-spezifische Fehler, Fehlerhafte Geometrie, Bild- und Tonstörungen … sein. (Claus Helfenschneider: Die Ästhetik des Fehlers. Unregelmäßigkeiten und Störungen als Gestaltungselement im digitalen Bewegtbild)

Der Begriff des "Medialen" bleibt offen und kann nur bruchstückhaft aus Peter Sloterdijks medialem Subjektivitätsbegriff entwickelt werden. Subjektivität ist weder Geist noch Körper, sondern sie rührt von einem Raum – dem Dazwischen her. In seiner Sphärologie (Sphären 1-3) beschreibt er die Geschichte des Menschen aus einer medialen Perspektive. Nach Gottfried Benn finden wir in unserem Inneren entweder eine Leere oder eine Soziologie – für Sloterdijk findet man keines von beiden, sondern man stößt auf eine von ihm so genannte Sphäre.

"Sphäre ist ein räumliches Etwas, das uns ständig innerlich beschäftigt, berührt und uns mit einem außerhalb von uns selbst befindlichen Bereich verbindet. In mir ist etwas, das zugleich auch um mich ist. Nicht nur Anhänger von Dionysos und Besucher von Technopartys befinden sich in einer Ekstase, sondern wir alle sind immer auch in der Außenwelt, egal wo sonst wir uns befinden mögen. Durch Spannung, Inspirationen und Teilnahmen sind wir immer ein außerhalb sich selbst schwebender Pol in Sympathieräumen, Stimmungsräumen und Anteilräumen. Ohne die Voraussetzung deren Existenz können wir kein Wort miteinander reden und sobald wir sie voraussetzen, intensivieren wir sie schon." (Peter Sloterdijk: Selbstversuche S 70, zit. nach Sjoerd van Tuinen, S 87)

Sloterdijk geht nach Gotthard Günther (Das Bewusstsein der Maschine: Eine Metaphysik der Kybernetik) von einer mehrwertigen Ontologie aus: Die Beziehung oder das Medium besitzt ein höheres Maß an Wirklichkeit als die zwei Pole der Beziehung. Individuen können nur als hergeleitete Dividuen gedacht werden. "Die Zahl Zwei ist älter als die Zahl Eins" (Sloterdijk). Indem er nicht den Dingen, sondern die Beziehungen, also dem Dazwischen, den Vorzug gibt, widersetzt er sich der Metaphysik der Substanz. Menschwerdung ist eine mediale Angelegenheit: Diese Erkenntnis versucht er in seiner Sphärologie (Synthese von Medientheorie und Anthropologie) zu beschreiben. Dabei handelt es sich des nicht um Medien, sondern um Ausdrucksweisen der an und für sich nicht artikulierten Mitte – des "Medialen".

"Das Mediale lebt aber weiter in Zuständen der Inspiration, Intensität, Ekstase, Übergabe und Begeisterung. Was in der philosophischen Tradition Geist heißt, ist genau diese im Raum geteilte Resonanz, eine mediale Spannung in "beflügelten Raumgemeinschaften". Alle Kreativität und Originalität entspringt zugleich der Inspiration (das bedeutet: eine Einhauchung von Außen her)."

(Sjoerd van Tuinen: Peter Sloterdijk, S 88)

"Mediale Fehler" sind also das Gegenteil der perfekten Zahlenreihen aus dem virtuellen Innenleben von Computern und doch deuten sie auf einen offenen Raum – richten den Fokus der Betrachtung auf die Abweichung die Fehlerhaftigkeit die Störung mit einem Wort von Gilles Deleuze auf die ästhetische "Sensation" und deren spezifischen Merkmalen.

In einer Rauminstallation und Projektion werden diese fehlerhaften Pixelhaufen, Artefakte, mediale Fehler und sonst noch so manches Ungetüm in der Ausstellung "artefakte - digitale fragmente" von Kurt A. Pirk zu sehen sein.